Derby mit 4 Toren und 4 x Rot

Das traditionelle Porzer Derby zwischen der Sportvereinigung Porz und dem RSV Urbach elektrisierte die Massen diesmal nicht in dem Umfang, wie man es aus früheren Begegnungen gewohnt war. Nur rund 100 Zuschauer fanden den Weg an die Brucknerstraße, woran aber auch das schlechte Wetter eine Mitschuld hatte.
Auf Urbacher Seite galt es kurzfristig noch zwei Hiobsbotschaften zu verdauen, denn Christian Kawka und Nikolas Schmitz zogen sich Bänderverletzungen zu und konnten nicht auflaufen. Überhaupt stand Coach Samy Büyükünsal nur eine sehr dünne Personaldecke zur Verfügung, denn auch Mohamet Derbas, Paul Sobczyk und Patrick Vilain waren nicht dabei.
Der RSV war dennoch in den ersten 15 Minuten die bessere, weil technisch versiertere Mannschaft. Nach einem starken Einsatz von Veton Balaj in zentraler Position kam Fabian Mehring über links durch und bediente den in der Mitte mitgelaufenen Patrick Czaja perfekt. Dessen Direktabnahme konnte von Adem Uygur im Porzer Kasten jedoch stark pariert werden.
Die Rothosen machten ihrerseits von Beginn an klar, dass sie technische Defizite durch Einsatzwillen und Kampfbereitschaft wettmachen wollten. Kapitän Daniel Varol ging hier mit gutem Beispiel stets voran und Marcus Heinrich und Okan Adas setzten mit ihren technischen Fähigkeiten von Zeit zu Zeit ebenfalls nuancierte Highlights.
Adas war es dann auch, der Marcel Gierens in der 17. Minute erstmals prüfte und einen Eckball herausholte bei dem Gierens dann anschließend patzte. Seine Faustabwehr erfolgte zentral in die Mitte und Sener Kilic ließ sich nicht lange bitten. Sein trockener Flachschuss aus rund 12 Metern brachte die Sportvereinigung mit 1:0 in Front. Dem RSV saß der Schock in den Gliedern und eine gewisse Ratlosigkeit machte sich breit. Nach einem harmlosen Kopfball von Balaj leiteten die Porzer den nächsten gefährlichen Angriff mit einem langen Ball ein und vollendeten durch Adas zum 2:0
In der Folgezeit ließ das Spielniveau spürbar nach und es gab keine Chancen mehr bis zum Pausenpfiff. Wohl aber gab es noch einen Aufreger in der 44. Minute, als Fabian Mehring und Marc Franke aneinander gerieten. Abseits des Spielgeschehens muss dann Mehring seinem Gegner den Ellenbogen ins Gesicht gestoßen haben, so hatte es zumindest der Linienrichter gesehen, und Schiedsrichter Thomas Eßer hatte keine Wahl als den roten Karton zu zücken. Es war dies bereits der zweite Feldverweis für Mehring in dieser Saison, denn schon im Spiel gegen Fortuna Köln musste er nach einem ähnlichen Vergehen frühzeitig unter die Dusche. Als Wiederholungstäter wird er nun sicherlich mit einer drastischen Strafe bedacht werden und er hat sich und seinem neuen Verein wahrlich einen Bärendienst erwiesen.

Die Kabinenansprache von Büyükünsal muss sich gewaschen haben, denn nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der RSV trotz der personellen Unterlegenheit von einer ganz anderen Seite. Bene Habroune kam für Balaj ins Spiel und sollte über die linke Seite für mehr Druck sorgen. In der 51. Minute gab es von halblinks einen Freistoß, der von Dani Martinez vor das Tor geschlagen wurde. Völlig unbedrängt erzielte Jan Hendrik Bruns wohl eines der schönsten Kopfballtore seiner Karriere, leider ins eigene Tor. Der Anschlusstreffer für den RSV Urbach war geschafft und fortan trat eine spürbare Verunsicherung bei den Porzern ein. Trainer Fielen musste mehrfach lautstark auf seine Akteure einwirken.

Die Begegnung blieb trotz der aufkommenden Spannung für Derbyverhältnisse relativ fair, leider nur bis zur 62. Minute, denn da foulte Okan Adas den Urbacher Kapitän Torsten Hawighorst völlig unvermittelt mit einem Bodycheck mit Anlauf von der Seite. Hawighorst konnte seinen Kontrahenten nicht kommen sehen und fiel unkontrolliert auf den Hinterkopf. Ein absolut unnötiges und überzogenes Foul, welches vom Schiedsrichter (nur) mit der gelben Karte bedacht wurde.
Hawighorst war zeitweise ohne Bewusstsein und musste vom Rettungswagen in die Klinik gebracht werden, wo eine schwere Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde.
Von hier aus die besten Genesungswünsche an Hawi, werde schnell wieder gesund!!!
Ein großer Dank gebührt dem Porzer Betreuer Lothar Voosen, der sich bis zum Eintreffen des Notarztes hingebungsvoll und professionell um den verletzten Urbacher Akteur kümmerte.
Fast untergegangen ist in dieser Phase dann der Ausgleich zum 2:2 durch Patrick Czaja, der in der 71. Minute mit einem Weitschuss zunächst den Pfosten traf, von wo aus der Ball an den Rücken von Uygur sprang und von dort aus den Weg in die Maschen fand.
Als der Krankenwagen eintraf wurde die Begegnung für 11 Minuten unterbrochen und nach der Wiederaufnahme des Spiels war dann zwangsweise etwas mehr Feuer in der Begegnung.
Fielen sah zu, dass er Adas schnell durch eine Auswechslung erlöste, denn es war offensichtlich, dass der sich durch seine brutale Attacke keine Freunde auf Urbacher Seite gemacht hatte.
Richtige Siegchancen hatte dann keine der beiden Mannschaften mehr.
Die Platzverweise in der Nachspielzeit waren zwar regelkonform, jedoch hätte Schiri Eßer mit etwas Fingerspitzengefühl auch weghören können, als Andi Kreusch und Dennis Fey auf Urbacher, sowie Stephan Fielen auf Porzer Seite ein paar Dinge sagten, die man eigentlich auf dem Fußballplatz nicht äußern sollte.
Nach dem Schlusspfiff gingen dann beide Mannschaften ihres Weges, wobei sich die Frage stellt, wohin dieser führen wird.
Porz steht weiterhin auf einem Abstiegsplatz und beim RSV Urbach ist trotz der 18 Punkte vieles im Unklaren was die Zukunft angeht.
Bevor es aber an die Gestaltung einer Mannschaft für die Rückrunde geht, muss zunächst mal eine Lösung für kommendes Wochenende gefunden werden um gegen Borussia Lindenthal-Hohenlind überhaupt eine spielfähige Mannschaft auf den Platz zu bekommen.

Der RSV Urbach spielte im Derby mit folgender Mannschaft:
Marcel Gierens, Seyhan Erdek, Nino Göbel, Dennis Fey, Torsten Hawighorst (65. Andreas Kreusch), Fabian Mehring, Veton Balaj (46. Bene Habroune), Roberto Herkendell, Daniel Martinez Garcia, Patrick Czaja und Muamer Meric