Mülheim Nord befördert Urbach ins Tal der Tränen

Am Ende gab es jubelnde Mülheimer und traurige Gäste aus Urbach. Mit 3:1 konnten die Spieler von SC-Coach Markus Kurth im ultimativen Abstiegsfight die Oberhand behalten.
Der Sieg war zwar etwas glücklich aber alles in allem auch nicht unverdient. Der SC hat durch den Erfolg erstmals seit gefühlten Ewigkeiten die Abstiegsränge verlassen, während es für den RSV durch diese Niederlage nur noch eine theoretische Chance auf den Klassenerhalt gibt.
Die Gäste erwischten den besseren Start in die Begegnung und Vlady Shykhov prüfte Mülheims Schlussmann Patrick Flohs bereits in der dritten Minute mit einem Linksschuss aus rund 20 Metern. Kurz darauf musste der Keeper bei einem Freistoß von Alex Manns erneut eingreifen. Urbach war klar überlegen in der Anfangsphase und die Hausherren bekamen überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel, so dass auch der Führungstreffer zum 1:0 in der 13. Minute nur eine logische Folge der Urbacher Dominanz war. Ein Pass in die Tiefe von Paul Sobczyk wurde von Mirco Cwikowski wunderschön auf Bene Habroune weitergeleitet, der dann aus halblinker Position unhaltbar abzog und den zahlreichen Urbacher Anhang zum jubeln brachte.
In der Folgezeit versäumten es die Gäste nachzulegen und ließen es zu, dass die heute in weiß spielenden Mülheimer besser in die Begegnung kamen.
Es dauerte allerdings bis zur 36. Minute ehe erstmals wirkliche Gefahr aufkam. Nach einem schlimmen Abspielfehler von Sven Czakalla drang ein Stürmer Richtung Urbacher Strafraum vor und konnte dort von Alex Manns nur noch durch ein Foul gestoppt werden.
Schiedsrichter Chris Borkowski entschied sofort auf Strafstoß trotz massiver Beteuerungen der Urbacher, dass das Foul außerhalb des Sechszehnmeterraumes erfolgt sei.
Timothy Dekker trat (nicht unbedingt freiwillig) zur Ausführung an und scheiterte kläglich.
Sein Schuss war weder fest noch platziert und konnte von Nick Nollen problemlos festgehalten werden. Der Fehlschuss löste eine gewisse Unruhe in Reihen des SC aus und die Urbacher nutzten diese beinahe zu einem weiteren Treffer aus. Der Schuss von Emre Polat (nach tollem Zuspiel von Habroune) ging jedoch knapp vorbei (40.) und auch der Kopfball von Fabian Mehring (ebenfalls nach Zuspiel von Habroune) ging nur an den Querbalken.
Markus Kurth muss seine Jungs perfekt auf die zweite Hälfte eingestellt haben, denn die Spieler kamen wie verwandelt aus der Kabine und zeigten nun deutlich, warum sie in den letzten Wochen so erfolgreich Fußball gespielt haben.
Bedingungsloser Einsatz mit einer gesunden, aber nicht unfairen Portion Härte und vor allem einem unbändigen Willen !
Schon in der 50. Minute brannte es lichterloh vor dem Urbacher Kasten. Eine Flanke faustete Nollen zunächst nach vorne, den ersten Nachschuss parierte er gut und den zweiten entschärften seine Vorderleute auf der Linie.
Der SC gewann fast jeden Zweikampf und war jetzt klar am Drücker. Trotzdem hatten nach rund einer Stunde die Gäste dann zunächst die besseren Chancen. Eine kurze Phase, in der die technische Überlegenheit abgerufen wurde hätte reichen können um alles klar zu machen.
Zunächst wurde Mehring im Strafraum zu Fall gebracht (57.), die Pfeife des Unparteiischen blieb jedoch stumm. In der 60. Minute kam Habroune über links durch und übersah den mitgelaufenen und in der Mitte völlig freistehenden Mirco Cwikowski.
Cwikowski selbst verzog in der 63. Minute einen Freistoß aus zentraler Position denkbar knapp.
Kurze Zeit später begann dann (mal wieder) eine Phase Urbacher Planlosigkeit und Desorientierung. Ein Phänomen, welches in dieser Saison schon mehrfach zu beobachten war und bereits eine Unmenge an Punktverlusten zur Folge hatte.
Heute war es Shykhov, der in der 65. Minute mit einem völlig unnötigen Foulspiel den Anfang vom Ende einläutete. Der fällige Freistoß fand seinen Weg auf den Kopf des eingewechselten Goalgetters Denis Lindenberg und der wuchtete die Kugel unhaltbar in die Maschen des Urbacher Netzes. Das Abwehrverhalten von Andreas Kreusch war hier eher suboptimal.
Durch diesen Treffer in eine Art Schockstarre versetzt, waren die Urbacher jetzt völlig von der Rolle. Jeder Zweikampf, jedes Laufduell ging verloren und man hatte den Eindruck, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, wann der SC hier den finalen Knockout anbringen würde.
Angefeuert durch die Bank und das Publikum war es dann in der 73. Minute soweit. Erneut Lindenberg war es, der mit einer Art Seitfallzieher die Führung markierte und den Sportplatz an der Rixdorfer Straße in ein wahres Tollhaus verwandelte. Als dann noch kurz darauf Güven Demir das 3:1 erzielte brachen alle Dämme und die Jubelarien erinnerten an den 1. FC Köln am Vortag.
Selbst der Platzverweis für Ismail Uzun nach der gelb-roten Karte in der 82. Minute änderte nichts mehr am Spielgeschehen.
Ein nicht gepfiffenes Handspiel im Mülheimer Strafraum (83.) und eine Chance von Fabian Mehring (85.) sollen zwar dokumentiert werden, der verdiente Sieger aber heißt SC Mülheim Nord, weil heute der Siegeswille über die spielerischen Fähigkeiten triumphiert hat.
Dennoch bleibt es abzuwarten, ob der finale Erfolg, sprich Klassenerhalt erreicht werden kann. Mülheim hat im Vergleich zu den Konkurrenten Stammheim und Ehrenfeld das schwerste Restprogramm, zu gönnen wäre es der Truppe allemal.
Für den RSV Urbach brechen nun schwere Zeiten an. Trotz einer kleinen theoretischen Restchance laufen die Planungen für einen Neuaufbau in der Kreisliga B schon auf Hochtouren.
Das Trainerteam Drmonjic und Brendel sowie ein Großteil der Mannschaft haben bereits ihre Zusage gegeben und wollen in der nächsten Saison mithelfen, die Karre wieder flott zu bekommen.

Urbach spielte in Mülheim mit folgender Aufstellung:
Nick Nollen, Andreas Kreusch, Sven Czakalla, Paul Sobczyk, Mirco Cwikowski (67. Denis Bernardo), Alex Manns, Bene Habroune, Fabian Mehring, Vladyslav Shykhov, Fabio Grün (76. Aykut Akti) und Pasquale Consiglio (19. Emre Polat)